Wenn Menschen über die digitale Transformation im Gastgewerbe sprechen, dreht sich die Diskussion oft um Technologie. Neue Plattformen, neue Integrationen und neue Funktionen stehen dabei meist im Mittelpunkt.
Nach meinem Gespräch mit Francisco Ventura, General Manager des Sunborn London, dachte ich jedoch über etwas ganz anderes nach.
Was bei mir hängen blieb, war nicht die Technologie selbst. Es war die Erkenntnis, dass die beste Technologie nahezu unsichtbar ist. Wenn Systeme nahtlos zusammenarbeiten, beseitigen sie die operativen Reibungspunkte, die zwischen Hotelteams und ihren Gästen stehen. Genau darin liegt für mich das wahre Versprechen einer vernetzten Gastfreundschaft.
Wichtige Erkenntnisse
Vernetzte Gastfreundschaft beginnt damit, Reibungspunkte zu beseitigen, bevor Gäste überhaupt anreisen.
Schnellere Prozesse schaffen mehr Möglichkeiten für persönliche und bedeutungsvolle Interaktionen mit Gästen.
Sichere und vernetzte Zahlungserlebnisse stärken das Vertrauen der Gäste.
Technologie schafft den größten Mehrwert, wenn Systeme nahtlos miteinander kommunizieren.
Die erfolgreichsten Digitalisierungsprojekte stellen den Menschen stets in den Mittelpunkt.
Der beste Ankunftsmoment fühlt sich nicht wie ein Prozess an
Sunborn London ist anders als die meisten Hotels. Permanent neben dem ExCeL London vor Anker liegend, zieht es Geschäftsreisende an, die große Messen und Konferenzen besuchen, begrüßt aber auch Freizeitreisende, die die Yacht selbst als Reiseziel wählen.
Obwohl ihre Reisegründe unterschiedlich sind, teilen beide Gruppen dieselbe Erwartung: Sie möchten ankommen und ihren Aufenthalt sofort genießen.
Francisco erklärte, dass genau dies zum Leitgedanken der technologischen Transformation von Sunborn wurde. Anstatt zu fragen, wie sich der Check-in beschleunigen ließe, stellte sich das Team eine viel wichtigere Frage: Wie können die administrativen Hürden beseitigt werden, die oft die erste Interaktion zwischen Gast und Hotel prägen?
Die Antwort bestand darin, so viele Schritte wie möglich bereits vor der Ankunft des Gastes abzuschließen. Reservierungen, Vorabregistrierung, Identitätsprüfung und Zahlungen erfolgen heute im Voraus. Dadurch können sich die Rezeptionsteams stärker auf die Begrüßung der Gäste konzentrieren, statt auf die Abwicklung von Prozessen.
Ein Satz brachte diese Philosophie perfekt auf den Punkt:
„Wir möchten, dass unsere Gäste das Gefühl haben, ihr Urlaub habe bereits begonnen.“
Diese Aussage ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, denn sie erinnert daran, dass Gastfreundschaft nicht erst mit der Übergabe der Zimmerkarte beginnt. Sie beginnt in dem Moment, in dem sich ein Gast willkommen und gut aufgehoben fühlt.
Mehr als nur Zeitersparnis
Eine Statistik aus unserem Gespräch stach sofort hervor. Sunborn konnte die durchschnittliche Check-in-Zeit von acht Minuten auf nur noch eine Minute reduzieren.
Für sich genommen klingt das nach einer operativen Erfolgsgeschichte. Doch Francisco betrachtet diese Entwicklung aus einer ganz anderen Perspektive.
Diese sieben Minuten werden nicht einfach eingespart. Sie werden neu investiert.
Statt Dokumente zu prüfen oder Zahlungen zu bearbeiten, können die Rezeptionsteams ein Restaurant empfehlen, die Einrichtungen des Hotels erklären, bei der Planung einer Feier helfen oder einfach ein echtes Gespräch mit den Gästen führen. Technologie wird wertvoll, weil sie Raum für menschliche Interaktion schafft, anstatt diese zu ersetzen.
Gerade in einer Zeit, in der Hotels stark in Automatisierung investieren, erscheint diese Sichtweise besonders relevant. Das Ziel sollte niemals sein, Gastfreundschaft zu reduzieren. Vielmehr sollte Technologie dabei helfen, mehr Raum für echte Gastfreundschaft zu schaffen.
Vertrauen wird zunehmend Teil des Gästeerlebnisses.
Ein weiterer Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war Franciscos Ausführungen zum Thema Zahlungen.
Zahlungstechnologie ist in der Hotellerie selten das spannendste Thema, doch er beschrieb sie auf eine Weise, die mich dazu brachte, ihre Rolle im Gästeerlebnis aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Er erklärte:
„Wir wollen keine Kreditkarten sehen oder in die Hand nehmen. Wir möchten, dass die Gäste die volle Kontrolle über ihre eigenen Zahlungen behalten und sich während des gesamten Prozesses vollkommen sicher fühlen.“
Diese Aussage geht über betriebliche Effizienz hinaus. Sie spiegelt einen umfassenderen Wandel in den Erwartungen der Gäste wider.
Heutige Reisende erwarten zunehmend Komfort, aber auch Transparenz und Kontrolle. Sichere Zahlungslinks, Tokenisierung und vernetzte Systeme sind nicht einfach nur Verbesserungen im Backoffice. Sie tragen dazu bei, Vertrauen aufzubauen, und Vertrauen ist ein wesentlicher Bestandteil jedes unvergesslichen Gasterlebnisses.

Die Vernetzung ist wichtiger als einzelne Systeme
Eine der wichtigsten Botschaften von Francisco richtete sich an Hoteliers, die ihre eigenen Technologieinvestitionen planen.
Allzu oft, so meinte er, frage die Branche, welche Lösung die beste sei. Die wichtigere Frage sei jedoch, ob diese Lösungen miteinander kompatibel seien.
Diese Erkenntnis gewinnt zunehmend an Bedeutung, da künstliche Intelligenz Einzug in den Hotelbetrieb hält. KI ist auf vernetzte, zuverlässige Daten angewiesen. Ohne Integration hat selbst die fortschrittlichste Technologie nur begrenzten Wert.
Bei der vernetzten Hotellerie geht es daher nicht darum, weitere Systeme hinzuzufügen. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Informationen auf natürliche Weise im gesamten Unternehmen fließen, sodass sowohl Mitarbeiter als auch Gäste davon profitieren können.
Technologie sollte stets der Gastfreundschaft dienen
In unserem Gespräch ging es auch um zukünftige Entwicklungen, darunter die Expansionspläne von Sunborn, Nachhaltigkeitsinitiativen und den wachsenden Einfluss künstlicher Intelligenz.
Was mich jedoch am meisten beeindruckte, war Franciscos Konsequenz. Jede Diskussion über Technologie führte letztendlich wieder auf den Menschen zurück.
Er sprach offen über die Realitäten bei der Umstellung eines Immobilienverwaltungssystems, die Bedeutung von Investitionen in Schulungen und die Notwendigkeit, die Privatsphäre der Gäste zu respektieren, wenn neue Technologien aufkommen. Es gab keine Versprechungen einer mühelosen Transformation oder eines Erfolgs über Nacht. Stattdessen herrschte das klare Verständnis, dass Technologie nur dann dauerhaften Wert schafft, wenn sie die Menschen unterstützt, die tagtäglich Gastfreundschaft leben.
Vielleicht ist das der Grund, warum mir dieses Gespräch so im Gedächtnis geblieben ist.
Die Systeme selbst werden sich weiterentwickeln. Neue Plattformen werden entstehen, künstliche Intelligenz wird ausgefeilter werden und die Erwartungen der Gäste werden sich weiter verändern.
Das Prinzip bleibt jedoch bemerkenswert einfach.
Technologie sollte es den Menschen erleichtern, sich um andere Menschen zu kümmern.
Fazit: Die menschliche Seite der vernetzten Gastfreundschaft
Wenn es eine Erkenntnis gab, die ich aus meinem Gespräch mit Francisco mitgenommen habe, dann ist es die, dass es bei der vernetzten Gastfreundschaft letztlich nicht um Integration geht.
Es geht um die Absicht.
Wenn vernetzte Systeme unnötige Reibungsverluste beseitigen, gewinnen Hotelteams etwas weitaus Wertvolleres als betriebliche Effizienz. Sie gewinnen die Freiheit, sich auf die Gespräche, Empfehlungen und persönlichen Momente zu konzentrieren, an die sich Gäste noch lange nach ihrer Abreise erinnern.
Vielleicht ist das der wichtigste Maßstab für den Erfolg der Technologie in der Hotelbranche. Es geht nicht darum, wie viel Arbeit sie erledigt, sondern darum, wie viel menschlicher das Erlebnis für den Gast dadurch wird.
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